Leitlinien zum Debriefing

Respektiere („liebe”) Deine Teilnehmenden!

  • Alle Teilnehmende sind gut ausgebildet, tun ihr Bestes und wollen etwas lernen.
  • Schütze Deine Teilnehmenden. Simulation ist intensiv.
  • Besonders „nicht so gute Teilnehmende” können viel lernen!
  • Charakter, Persönlichkeit, etc. sind nicht Thema eines Debriefings.
  • Es geht um „beobachtbares Verhalten” als Profi im Team.
  • Akzeptiere und habe Verständnis für Probleme mit und in der Simulation.
  • „Fehler“ in der Simulation entsprechen nicht Fehlern in der Realität.
  • Alle Fehler werden klar angesprochen. Keine Aufbauschung! Keine Bagatellisierung!
  • Positive Grundstimmung führt zu besserem Lernen - (Lernen darf Spaß machen).

Struktur des Debriefings

Achte auf die Anordnung der Sitzplätze
Szenario-Teilnehmende sitzen nebeneinander ➜ Hot Seats

1. Reintegration & Auffangen der Hot Seats 
(Applaus und Danke)/Emotionen Realität abfragen: 
+ Wie hat sich das Szenario angefühlt? 
+ War es realistisch/relevant? ➜ aktives Verständnis für Probleme 
+ Sind alle bereit für Debriefing (“debriefbar“)? 

2. Beschreiben des Szenarios/der Aufgabe 
+ Was war das medizinische Hauptproblem? 
+ Haben das alle so wahrgenommen? 
➜ Ab jetzt alle Teilnehmende (TN) ins Debriefing einbeziehen 

3. Analyse (ggf. mit ausgewählten Videosequenzen) 
WAS geschah WARUM? (Warum, warum, warum?) 
+ Entdecken der zugrundeliegenden Problembereiche gemeinsam mit den TN 
+ Erkennen der Debriefing-Ansätze (s. CRM-Leitsätze) 
+ Auch besonders gute Situationen analysieren → Safety II 

Beispiele für Fragen (+ 3B-Technik) 
➜ Welche Gedanken führten zu Deiner Entscheidung? 
➜ Was wolltest Du damit erreichen? 
➜ Wie hast Du das gemacht? 
➜ War das im Team klar? Warum? 
➜ Wie kam es dazu? Warum ist das passiert? 
➜ Wieso hast Du das gedacht? 
➜ Was hat diese Handlung ausgelöst? 
➜ Welche Dinge haben Dich bei dieser Handlung beeinflusst? 
Umsetzung/Änderungen/Transfer (Wann, was, wie?) 

Gute Lösungen für ein Problem decken folgende Punkte ab: 
➜ Wann würde in Zukunft wer was wie machen? 
➜ Welche Probleme könnte es dabei im Arbeitsalltag geben? 
➜ Wie geht man damit um?
Es geht darum, „realitätsstabile“ Lösungen zu finden

4. Ungeklärte Fragen 
➜alle TN?

5. Take Home Messages 
➜ Was nehmt Ihr mit?

Tipps für das Debriefing

Zeichen für Debriefing – Ansätze 

➜ Ich dachte ... 
➜ Ich bin davon ausgegangen, dass ... 
➜ Ich habe angenommen, dass ... 
➜ Für mich war klar, dass... 
➜ Ach so! Echt? Jetzt versteh’ ich ... 
➜ Das habe ich nicht gehört. 
➜ Das war mir nicht klar. 

Geeignete Videosequenzen für Debriefing 

+ Neue Diagnose, akute med. Veränderungen 
+ Neue Teammitglieder kommen dazu 
+ Relevante medizinische Maßnahmen (ITN, Defibrillation, Medikamentengabe, etc.) 
+ Team-Events (10-für-10, Aufgabenverteilung, Erklärung von Plänen und Vorgehen) 
+ Situationen mit Änderungen 
+ Wechsel von Prioritäten 
+ Neue Erkenntnisse 

Hilfreich im Debriefing 

+ Verwendung offener Fragen (auch mit +3B-Technik). 
+ Nutze die „power of silence“. 
+ Keine Suggestivfragen (U-Boot-Fragen), keine „Rate- was-ich-denke-Fragen“. 
+ Frage eher an TN weitergeben, als selbst zu antworten. 
+ Ehrlich neugierig sein (Wie kam das so...?) 
+ Tiefer nach Ursachen „graben“... 

Offene Fragen für Analyse 

+ Was ist passiert? 
+ Wann hast Du das bemerkt? 
+ Was dachtest Du in diesem Moment? 
+ Wie bist Du an diese Information gelangt? 
+ Und immer wieder: „Warum? Warum? Warum?“ 

plus 3B-Fragetechnik

Beobachtung – Beurteilung – Befragung

Methoden im Debriefing

➜ Normalisierung von Problemen/Fehlern: 
Man sagt dem TN, dass andere das auch schon oft gemacht haben ("Wir sehen das in diesem Szenario öfter …",) oder man fragt, ob die anderen Kursteilnehmenden solche Probleme auch kennen. Nicken bedeutet dann ➜ “Aha – andere kennen das Problem also auch”. 

➜ Verbreiterung 
Man kommt von “einem bestimmten Problem in dieser Situation” zu einem “prinzipiellen (verbreiteten) Problem”, das dann auch in vielen anderen Situationen gilt. Mögliche Lösungen haben dann einen breiten Nutzen! 

➜ Nutzung des Expertenwissens der TN 
“Was meint ihr?” 

Input Faktenwissen 
Mini-PPT, Merkblätter, Algorithmen, Flipchart 

Kommunikationstreppe 
➜ Gemeint ist nicht gesagt. 
➜Gesagt ist nicht gehört. 
➜Gehört ist nicht verstanden. 
➜ Verstanden ist nicht gemacht. 

Was für den Patienten zählt ist, ob das Richtige „gemacht“ wurde ➜ Outcome.

Die 3B-Fragetechnik

I saw … I think … I wonder …?

Diese Fragetechnik soll verhindern, suggestive, oder „pseudooffene” Fragen zu stellen (auch als U-Boot-Fragen oder „dirty questions“ bezeichnet). Mit der 3B-Technik werden alle relevanten Punkte für die Analyse mit dem Teilnehmenden angesprochen. Der Instruktor versteckt nichts. 

Beobachtung 
Objektive Inhalte. Ohne Wertung. Ohne Annahmen. „Ich habe gesehen (gehört), dass Du...”

Beurteilung 
Bewertung des Verhaltens (s. o.) durch den Instruktor. Hier wird erklärt, warum man das Verhalten anspricht, was falsch (oder besonders gut) war, was denkbare Varianten zum Verhalten sind oder auch was in den Leitlinien steht. „In dieser Situation wäre es aus meiner Sicht wichtig gewesen...“ oder „In den Leitlinien steht ...” 

Befragung 
Befragen der TN nach ihrer Sicht zur Situation (mentales Modell). Die Frage soll sehr kurz, positiv und ehrlich neugierig sein – nicht vorwurfsvoll. 
➜ „Wie kam es?“ 
➜ „Was meinst Du?“ 
➜ „Wie war das für Dich?“ 
➜ „Wie seht ihr das?“ 
(abgeleitet von Advocacy-Inquiry von Rudolph, Simon Raemer, Eppich)

Crew Resource Management

CRM-Leitsätze

1. Kenne deine Arbeitsumgebung. 
2. Antizipiere und plane voraus. 
3. Fordere Hilfe an – lieber früh als spät. 
4. Übernimm die Führungsrolle oder sei ein gutes Teammitglied mit Beharrlichkeit.
5. Verteile die Arbeitsbelastung, verwende das 
10 – für – 10 – Prinzip (10 Sekunden für 10 Minute)

CRM-Leitsätze

6. Mobilisiere alle verfügbaren Ressourcen. (Personen und Technik) 
7. Kommuniziere sicher und effektiv – sag, was dich bewegt. 
8. Beachte und verwende alle vorhandenen Informationen. 
9. Verhindere und erkenne Fixierungsfehler. 
10. Habe Zweifel und überprüfe genau. (Double check!/Nie etwas annehmen!) 
11. Verwende Merkhilfen und schlage nach. 
12. Re-evaluiere die Situation immer wieder. (10-für-10-Prinzip) 
13. Achte auf gute Teamarbeit – andere unterstützen und sich koordinieren. 
14. Lenke deine Aufmerksamkeit bewußt. 
15. Setze Prioritäten dynamisch.

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