Notfallmedizin unter Segeln: CRM-Training bei „Wind und Wetter“ auf dem IJsselmeer

Dürener Anästhesie-Symposium „maritim“ 2026 mit rund 50 Teilnehmenden ein voller Erfolg: Was passiert, wenn ein Kind auf einem Segelschiff schwer verletzt wird, ein Ertrinkungsnotfall eintritt oder plötzlich eine Geburt an Bord bevorsteht? Notfallmedizin unter außergewöhnlichen Bedingungen stand im Mittelpunkt des diesjährigen Dürener Anästhesie-Symposiums „maritim“ des Artemed Klinikums Düren am vergangenen Wochenende. Auf dem Dreimaster „Radboud“ auf dem niederländischen IJsselmeer trainierten Ärztinnen und Ärzte sowie medizinische Fachkräfte des Rettungsdienstes gemeinsam die Versorgung komplexer Notfallsituationen.

Vom kindlichen Trauma über die Platzwunde bis zur Geburt auf See

Nach dem Auslaufen aus dem Hafen von Enkhuizen und dem Setzen der Segel durchliefen die rund 50 Teilnehmenden fünf verschiedene interaktive Workshops. Im Mittelpunkt standen Notfälle im Kindesalter – Situationen, die besondere medizinische Kenntnisse, eine klare Kommunikation und ein hohes Maß an Handlungssicherheit erfordern.

Dabei sorgte das maritime Umfeld für Bedingungen, die sich in keinem klassischen Seminarraum nachstellen lassen: Bei Wellengang mussten die Teilnehmenden beispielsweise ein Kind nach einem Sturz medizinisch versorgen und beatmen. Auch das Airway-Management bei einem Säugling wurden unter den besonderen räumlichen und äußeren Bedingungen an Bord trainiert. Bei der chirurgischen Wundversorgung war ebenfalls nicht nur medizinisches Können gefragt. Das Nähen von Wunden wurde an Schweineschwarten geübt – auf einem schwankenden Segelschiff und damit unter deutlich erschwerten Bedingungen.

Besonders realitätsnah wurde es bei der Simulation einer „Geburt auf See“: Eine erfahrene Hebamme simulierte eine Geburt live an Bord und konfrontierte die Teilnehmenden mit den medizinischen und organisatorischen Herausforderungen einer geburtshilflichen Notfallsituation fernab der gewohnten klinischen Infrastruktur.

Neben den praktischen Übungen gehörte auch die gemeinsame Reflexion besonders belastender Situationen zum Programm. In einer Fallbesprechung zum Tod eines Kindes setzten sich die Teilnehmenden mit den medizinischen Abläufen, der Kommunikation und dem Umgang des Teams mit einer solchen Ausnahmesituation auseinander.

Den Abschluss bildete ein Erfahrungsaustausch zur Notfallversorgung auf See mit Prof. Dr. med. Stefan Schröder, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Artemed Klinikum Düren.

„Bewegung und Wellengang, begrenzter Raum, eingeschränkt verfügbare Ressourcen und die Zusammenarbeit in einer ungewohnten Umgebung stellen zusätzliche Anforderungen an Kommunikation, Koordination und Entscheidungsfindung. Gerade dadurch entstehen Trainingssituationen, in denen nicht nur medizinische Fertigkeiten, sondern auch die Zusammenarbeit im Team gefordert ist“, resümiert Prof. Dr. Schröder.

Patientensicherheit bedeutet mehr, als aus Fehlern zu lernen

Damit greift das maritime Symposium zugleich einen Ansatz auf, der für die Weiterentwicklung der Patientensicherheit zunehmend an Bedeutung gewinnt: Safety-II. Während bei der klassischen Betrachtung von Patientensicherheit Zwischenfälle analysiert, Ursachen identifiziert und Maßnahmen zur Vermeidung zukünftiger Fehler entwickelt werden, erweitert Safety-II diese Perspektive um eine weitere Frage: Warum gelingt sichere Versorgung unter komplexen Bedingungen an den allermeisten Tagen?

„Menschen im Gesundheitswesen arbeiten täglich unter wechselnden Voraussetzungen, Zeitdruck und Unsicherheit. Dennoch gelingt es Teams immer wieder, Situationen erfolgreich zu bewältigen. Sie passen ihr Handeln an, kommunizieren miteinander, greifen auf Erfahrung zurück und unterstützen sich gegenseitig“, so Prof. Dr. Schröder, der zugleich als Instruktor für die ARTEMED AKADEMIE, das unternehmenseigene Kompetenzzentrum für Aus-, Fort- und Weiterbildung, tätig ist.

 

Veralteter Browser

Sie verwenden einen veralteten Browser. Die korrekte Darstellung der Webseite ist nicht garantiert und die Bedienung ist eingeschränkt bis hin zu nicht bedienbar.